Tamara J. Ralis

NIKE NEW ART IN EUROPE EDITION, Nr. 53

Interview zwischen Jone Scherf und Tamara Ralis


I. Wohin kippt die Figur in dem Objekt, das "An die Luft gelehnt" heißt?

In den Raum, wo alle Möglichkeiten vor ihrer Formwerdungen existieren. Vom Gesicht des kegelförmigen Körpers führt ein Faden in die Höhe. Diese Vertikale richtet den Körper in der Leere aus und ermöglicht seine extreme Position.

NIKE NEW ART IN EUROPE EDITION, Nr. 53

Interview zwischen Jone Scherf und Tamara Ralis


II. Welche Bedeutung hat der immer wieder vorkommende ovale Körper, den Sie „Ellipsen-Selbst“ nennen?

Im Traum sah ich eine aus sich selbst heraus scheinende Kugel. Durch ihren Flug durchs All wurde sie elliptisch. Die Schnelligkeit der Reise dehnte sie in die Länge. Ich empfand dabei, dass die sich fortbewegende Wahrnehmung so aussieht. Gleichzeitig entstand der Gedanke, dass dies unser ursprünglicher Körper ist, der vor der Erfahrung existiert und sich noch im Bereich der Ideen befindet.

NIKE NEW ART IN EUROPE EDITION, Nr. 53

Interview zwischen Jone Scherf und Tamara Ralis


III. Ein Wille zur Haltung vermittelt sich durch ihre Skulpturen und fordert dazu auf sie mit einem entsprechenden Blick anzuschauen.

Ich beschäftige mich mit der Haltung, die ich zu mir selbst, zu anderen Menschen und zum Unbekannten einnehme. Der Winkel, die Achse und die Stufen bestimmen die Bezugnahme der Formen untereinander. Es sind Antworten aus einer imaginären Ebene, die ins Leben wirken.

NIKE NEW ART IN EUROPE EDITION, Nr. 53

Interview zwischen Jone Scherf und Tamara Ralis


IV. Ihre Materialien sind fast immer hell. Warum keine Farbe?

Ich mag das gerade Geborene, das noch keine Farbe hat. Vielleicht weil es Auskunft über einen Zustand gibt, der noch nichts von Außen angesammelt hat. Diesen inneren Ort des noch Geschichtslosen immer wieder zu finden, ist die eigentliche Arbeit.

M ART

Otfried Culmann


Die Objekte von Tamara Ralis sind Miniaturplattformen mit einem auf wenige Gegenstände reduziertem Geschehen. Durch ihre bühnenartige Erscheinungsform und die minimale Zeichensetzung gehören sie zur Kunst der „ars-metaphysica“. Die Objekte beeindrucken durch das bestimmte Arrangement der Gegenstände, die durch die Leere des Raums zueinander in Beziehung gesetzt werden.